Mikado

Das Ökosoziale stellt den Menschen in den Mittelpunkt… von Stephan Pernkopf

Klima/Umwelt/Ressourcen Wirtschaft Gesellschaftspolitik

Ein Vierteljahrhundert Ökosoziale Marktwirtschaft hat uns gelehrt, Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik als Dreieck zu begreifen. Nicht immer werden alle drei Seiten gleich betont. Nicht überall ist das Dreieck fein austariert. Nie ist es im richtigen Lot. Und für wohl niemanden ist der Schwerpunkt des Dreiecks am rechten Ort gesetzt. Aber die hohe Kunst, es jedem recht zu machen, ist keine politische, sondern schlechtesten Falls eine populistische. Und die Ökosoziale Marktwirtschaft ist mehr als ein politikwissenschaftliches Gedankenspiel, sondern tägliche Realität. Die Ökosoziale Marktwirtschaft hat sich längst durchgesetzt. Sie hat es geschafft, die Ökologie auf den Tisch der Entscheidungsträger und in die Köpfe jener, die mit diesen Entscheidungen leben müssen, zu bringen. Die Wählerinnen und Wähler entscheiden (natürlich) nicht ausschließlich nach der Umweltkompetenz einzelner Parteien und Politiker, aber umgekehrt kann es sich heute auch keine Partei erlauben, ohne eigene Umweltagenda auf- und anzutreten.

Hat die Soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhards und Julius Raabs die Freiheit des Kapitalismus mit sozialer Sicherheit verknüpft und Markt mit Moral versöhnt, so hat Josef Rieglers Ökosoziale Marktwirtschaft die Überzeugung vermittelt, dass langfristiges Wirtschaften ohne Rücksicht auf die Umwelt Raubbau an der Zukunft bedeutet, die erfolgreichste Umweltpolitik aber gleichzeitig jene ist, die weniger auf Verbote, sondern auf Anreize setzt. Als ökosozial muss gelten, was Arbeit schafft, die Wirtschaft stützt und die Umwelt schützt. Ein Gleichgewicht zwischen den drei Achsen bedarf Ausgleich und Augenmaß. Das tägliche Ringen bedarf auch täglicher Weiterentwicklung. Und an Wendepunkten der Geschichte bedarf es großer Entwicklungsschritte. Ich bin überzeugt, dass wir den nächsten Schritt setzen müssen. Von der Ökosozialen Marktwirtschaft zu einer Ökosozialen Gesellschaftspolitik.

© weinfranz FOTOGRAFIE

Der Mensch im Mittelpunkt
Eine ökosoziale Gesellschaftspolitik, die in den Mittelpunkt des Dreiecks Ökonomie, Ökologie und Sozialem den Menschen stellt. Eine ökosoziale Gesellschaftspolitik, die stets fragt: Was braucht es, um den einzelnen Menschen, als Individuum genauso wie als Gruppe, bessere Lebensbedingungen und Chancen zu bieten. Eine ökosoziale Gesellschaftspolitik, die aber nie dem Eigensinn das Wort redet, sondern stets die Balance sucht: nach wie vor und mehr denn je zwischen Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Aber ganz entschieden auch ein Gleichgewicht zwischen Generationen und Gesellschaften fordert. Eine Ökosoziale Gesellschaftspolitik schließlich, die das Heute mit dem Morgen verknüpft. Die aus dem Gestern schöpft, nach Morgen blickt und im Jetzt handelt. Und die versteht, dass jede Entwicklung zum Besseren hin nur dann funktionieren kann, wenn aus der Perspektive jener gehandelt wird, denen die Entwicklungen zugutekommen soll: den Menschen.

Auszug aus dem Buchbeitrag „Der Mensch im Mittelpunkt – von der Ökosozialen Marktwirtschaft zu einer Ökosozialen Gesellschaft“ in: Wer sich bewegt, verliert nicht. Herausgegeben von Elisabeth Köstinger & Stephan Pernkopf, Oktober 2015
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