Bergbauernhof

Fachtag Berg&Wirtschaft 01.02.2018

Wintertagung

Der Fachtag thematisierte die Herausforderungen für Betriebe und Menschen am Berg. Dabei sollten sich landwirtschaftliche, touristische und gewerbliche Ansätze gegenseitig befruchten. Der Fokus lag diesmal auf den Möglichkeiten, die moderne digitale Anwendungen für das Berggebiet eröffnen. In der Diskussion zum Thema Beutegreifer setzten sich Landwirtschaft, Tourismus und Artenschutz an einen Tisch. Ein Konsens zeichnete sich nicht ab.

  • Die Digitalisierung eröffnet in Kombination mit traditionellem Know-how enorme Chancen. 
  • Der Breitbandausbau ist essentiell.
  • Eine gemeinsame Lösung von Landwirtschaft, Tourismus und Artenschutz beim Umgang mit großen Beutegreifern ist nötig.
  • Das Thema Wolf wird sehr kontrovers diskutiert.

Perspektive für Bergregionen & Digitalisierung als Chance für Betriebe im Alpenraum

Ziele für das Bergebiet sind es, den ländlichen Raum vital zu erhalten und die Wertschöpfung in der Region zu erhöhen. Die hohen Umweltstandards in Österreich führen zu höheren Preisen, die sich durch höhere Qualität rechtfertigen müssen. Speziell für kleinere Betriebe wird es künftig verstärkt nötig sein, sich in den Bereichen Produktion und Dienstleistungen zusammenzuschließen. Durch die Digitalisierung können wertschöpfungsreiche Jobs in die Regionen gebracht und so einer Abwanderung entgegengewirkt werden. Aber Digitalisierung ist noch kein Garant für Arbeitsplätze. Mobilität und das Umfeld des Einzelnen werden weiterhin eine große Rolle spielen. Um mit den Möglichkeiten urbaner Zentren mithalten zu können, müssen auch ländlichere Orte mit Breitbandinternet versorgt werden. 

Der Tourismus als zentrales wirtschaftliches Standbein der Region muss sich auf eine starke Vernetzung und Individualisierung von Angeboten und Diensten einstellen, die von den Gästen immer mehr gefordert werden. Vor allem die Klein- und Mittelbetriebe in Österreich kämpfen derzeit noch mit ihrer Unerfahrenheit in der digitalen Welt, sind sich aber bewusst, dass sie hier Handlungsbedarf haben.

Mittels „BigData“ können heute bereits gesundheitsschädigende Ereignisse prognostiziert oder die Wahrscheinlichkeit von kriminellen Aktivitäten an bestimmten Orten vorausgesagt werden. Mit der Sammlung großer Datenmengen geht oft die Unsicherheit Hand in Hand, wer Zugriff auf die Daten hat. Die Automatisierung vieler Abläufe wird in den nächsten 20 Jahren rund ein Fünftel aller heutigen Jobs ersetzen. Zwischenmenschliche oder handwerkliche Berufe wie LandwirtInnen, PsychologInnen oder GrundschullehrerInnen sind kaum betroffen. In der Diagnostik hat sich gezeigt, dass sich die besten Ergebnisse erzielen lassen, wenn Mensch und Maschine zusammenarbeiten.

Wie kann Digitalisierung am Berg funktionieren?

Digitalisierung kann in vielen Bereichen das Arbeiten erleichtern und verbessern. Im Kuhstall können innovative Anwendungen helfen, kranke und verhaltensauffällige Tiere rascher zu identifizieren oder die Qualität der Milch zu kontrollieren. Durch technische Neuerungen ist Tiermonitoring mittlerweile auch auf Weideflächen mit schlechter GSM-Netzabdeckung möglich und erlaubt es, abgegraste Flächen ohne Vor-Ort-Kontrolle zu erkennen. 

Moderne Traktoren-Technologien ermöglichen eine punktgenaue Steuerung und die Nachverfolgung von verwendetem Equipment, was beispielsweise bei der Schneeräumung einen Nachweis über die durchgeführten Arbeiten erlaubt. Gerade im Landwirtschaftssektor besteht im Mäh-, Dünge- und Ernteeinsatz erhebliches Potenzial durch eine ressourcensparendere und effizientere Arbeitsweise. 

Durch Cloud PC und Videokonferenzen können heute Automotiv-Konstrukteure auch in entlegenen Gebieten arbeiten und gleichzeitig Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben. Der Zugang zu leistungsfähigem Internet ist dafür eine Grundvoraussetzung.

E-Commerce ermöglicht es, den Wert und die Persönlichkeit von regionalen Produkten und Dienstleistungen aus dem Berggebiet in die ganze Welt zu transportieren. Durch die Kombination von regionalen Genussmärkten mit dem Onlineshop schafft PUR Südtirol neue Absatzmöglichkeiten für bäuerliche und handwerkliche Produkte. 

Für Handwerksbetriebe eröffnet die Digitalisierung die Möglichkeit, individualisierte Produkte zu produzieren und als Kontrast zu den immer gleichen Massenerzeugnissen zu positionieren. Dabei sollte bei Websites und im Marketing vor allem auf die Kraft der Bilder gesetzt werden. 

Der Tourismus kann mittels neuer Technologien flexibler auf Kundenwünsche eingehen. Routineaufgaben wie Check-Ins werden bereits über Apps erledigt.

Große Beutegreifer im Berggebiet

Während Luchse und Bären vergleichsweise selten Nutztiere reißen, ist der Vormarsch des Wolfes für viele Landwirte problematisch. Durch den Artenschutz können Beutegreifer in Österreich derzeit nicht bejagt werden. In der Frage des Umgangs mit den großen Beutegreifern prallen die Welten der LandwirtInnen, des Artenschutzes und des Tourismus aufeinander. Aus Sicht der Landwirtschaft ist der materielle und emotionale Schaden im Falle eines Angriffs auf die Nutztiere ein großes Problem, die Chancen auf Schadensersatz sind dabei gering. Hirtenhunde erhöhen die Kosten und schaffen mitunter größere Probleme als sie lösen. Daher wird eine Lockerung des Artenschutzes gefordert. So lange der Wolf von den Medien als Kuscheltier dargestellt wird, erschwert das die Unterstützung durch die Öffentlichkeit für diese Forderung.

Aus der Sicht des Artenschutzes ist die Entnahme einzelner problematischer Tiere vorstellbar. Ein Abweichen von der aktuell geltenden Artenschutzrichtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) kommt jedoch für Artenschützer nicht in Frage. Im Umgang mit Beutegreifern braucht es ein entsprechendes Management, mit den Eckpunkten verstärktes Monitoring, unkomplizierte Entschädigung für Betroffene, Schulterschluss der Konflikt-Parteien für eine gemeinsame Lösungssuche sowie internationale Kooperation, um Erfahrungen aus anderen Länder zu nutzen.

Der Schweizer Tourismus hat bereits umfangreichere Erfahrung mit dem Wolf. Für den Tourismus ist der Wolf ein geringeres Problem als für die Landwirte. Von den Gegenmaßnahmen wie Hirtenhunden, die sehr abschreckend auf Gäste wirken können, ist die Sparte aber stark betroffen. Ziel für die Zukunft sind Maßnahmen, die ein gesundes Zusammenleben ermöglichen. Der Wolf hat nicht überall seinen Platz.

Block I: Perspektiven für Bergregionen & Digitalisierung als Chance für Betriebe im Alpenraum 

Martha Schultz 

Wie Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändert

Kurt Matzler 

Digitalisierung: Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft

Hermann Gahr 

Überbetriebliche Zusammenarbeit als Chance für kleine Betriebe

Block II: Tourismus – Wirtschaft – Landwirtschaft: Wie kann Digitalisierung am Berg funktionieren? 

Florian Grandl

Big Data im Kuhstall – Milchwirtschaft 4.0

Jan Maxa 

Die gläserne Kuh: Ortung- und Monitoring- Systeme bei Rindern

Richard Wanker

Arbeitsplatz Bauernhof

Felix Zanandrea 

PUR Südtirol. Gel(i)ebte Regionalität

Sieglinde Eugenie Kathrein 

werte.wissen.werken. Digitalisierung für Handwerk und Gewerbe