Waldwirtschaft

Fachtag Waldwirtschaft 01.02.2018

Wintertagung

Nach einjähriger Pause reihte sich der Fachtag Waldwirtschaft wieder in die Wintertagung ein. Thematisiert wurden unter anderem aktuelle waldpolitische Entwicklungen in der Europäischen Union sowie die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in der Waldbewirtschaftung. Der Schwerpunkt lag dabei auf Entwicklung der Klimaschutz- und Bioökonomiestrategien in Österreich und der EU, wobei insbesondere die Potenziale von erneuerbaren Energien und digitalen Tools in diesem Zusammenhang beleuchtet wurden.

  • Klimawandel sowie folglich die Implementierung von Strategien für Klimaschutz und Bioökonomie haben einen starken Einfluss auf die Waldbewirtschaftung. 
  • Die noch offenen Fragen zur Digitalisierung sollten intensiv diskutiert werden, bevor die Technologien fest in der Gesellschaft verankert sind.
  • Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sind vom Klimawandel doppelt betroffen: Zum einen sind sie Teil der Lösung, zum anderen trifft der Klimawandel auch ihre Wälder.

Aktuelle waldpolitische Entwicklungen in der Europäischen Union 

Der Fachtag startete mit einem Überblick über die Perspektiven der Waldwirtschaft. Das Produkt Holz ist ein starker Wirtschaftsfaktor und der biodiverse Wald gleichzeitig ein wesentliches Element zum Schutz vor Naturkatastrophen und im Kampf gegen den Klimawandel. Felix Montecuccoli sieht die Zukunft in der Substitution von fossilen Rohstoffen durch nachhaltiges Holz. 

Fast die Hälfte der Gesamtfläche Österreichs sind mit Wald bedeckt, jedoch ist dieser oft in kleine Besitzeinheiten untergliedert, was bestimmte Schwierigkeiten mit sich bringt. Der Wirtschaftsfaktor Holz ist jedoch wichtig, denn Österreich exportiert bereits jetzt schon große Mengen in die ganze Welt. Othmar Karas, Europäisches Parlament, stellte die Waldpolitik in einen europäischen Kontext, wobei die Entwicklung der Waldpolitik im Zusammenhang mit den Klimaschutzzielen gesehen werden muss. Der Wald bietet ein Pool an Biodiversität sowie Erholungsraum für die Gesellschaft, er ist eine Quelle natürlicher Ressourcen und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit. „Deshalb muss der Umgang mit unserem Wald ein gesamtgesellschaftliches Thema sein“, so Karas. Er wies jedoch auch darauf hin, dass die Forstwirtschaft nicht dazu verwendet werden darf, die Emissionen anderer Industrien kompensieren zu müssen. 

Didzis Palejs, Europäische Biomassevereinigung, zeigte an einem baltischen Beispiel, wie die Umstellung von Erdgas auf Biomasse gesamtgesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen kann. Durch die neu geschaffenen Arbeitsplätze wurden Menschen von der Stadtflucht abgehalten und die Energiekosten für die Bürger konnten drastisch gesenkt werden. Der Präsident des Umweltdachverbandes, Franz Maier, ging auf die aktuellen Pläne der Regierung ein, die noch vor Sommer 2018 einen konkreten Aktionsplan für den Klimaschutz erarbeiten will. Dabei fordert er Transparenz im Arbeitsprozess und eine Einbindung von NGOs und Naturschutzorganisationen. Er sieht erneuerbare Energien als ein Spannungsfeld mit Diskussionsbedarf: „Man muss diese Fragen ehrlich angehen und das geht nur mit Transparenz und Einbindung“. Ein wichtiger Faktor ist auch die Naturverträglichkeit von Energiequellen wie Wind- und Wasserkraft, denn Maier ermahnt: „Landschaft und Fließgewässer sind nicht erneuerbar, wenn sie einmal verbaut sind“. Eine Chance und eine lösungsorientierte Herangehensweise ist die massive Steigerung der Energieeffizienz, denn die umweltverträglichste Energie ist jene, die erst gar nicht erzeugt werden muss. In der Diskussion „Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie. Der österreichische Zukunftspfad?“ stellte sich die Frage nach der Kommunikation des Waldwirtschaftssektors nach außen. Laut Othmar Karas gibt es in vielen Fällen ein Verständigungsproblem: „Wir müssen miteinander reden und füreinander werben.“ Hinsichtlich nachhaltiger Energiequellen herrscht großteils Einigkeit, dass erneuerbare Energien naturverträglich sein müssen, aber gewisse Eingriffe in die Natur notwendig sind und als Chance gesehen werden sollten. Für WaldbesitzerInnen und LandwirtInnen ist es oft problematisch, dass Politiker über Land planen, die unter Umständen selbst wenig in Themen der Land- und Forstwirtschaft involviert sind. Hinsichtlich des Klimaschutzes stellt weiters die Verbrauchsreduktion einen wichtigen Aspekt dar; ein Schlüsselsektor dabei ist der Mobilitätsbereich (Verkehr und Transport/Logistik). Entscheidend ist hier, die Entwicklung innovativer Technologien zu fördern. Es zeichnen sich in diesem Bereich große Veränderungen ab, insbesondere in Bezug auf E-Mobilität. Die Anforderungen an die Branche wachsen, Zielsetzungen müssen daher oftmals angepasst und Traditionen zukunftsfit gemacht werden.

Digitalisierung in der Waldbewirtschaftung

Im zweiten Block des Tages richtete sich der Fokus auf konkrete Anwendungen der Digitalisierung in der Waldwirtschaft. Peter Mayer, Leiter des Bundesforschungszentrums für Wald, sieht durch Faktoren wie Bevölkerungswachstum und verstärkte Urbanisierung sowie den Klimawandel viele Herausforderung auf unsere Gesellschaft zukommen. Die Waldwirtschaft ist zwar ein sehr traditionsreicher Sektor, kann aber aufgrund aktueller Entwicklungen und den daraus erwachsenden Potenzialen auch als sehr moderner, junger Sektor wahrgenommen werden. Besonders die unterschiedlichen Interessen am Faktor Wald sind künftig herausfordernd – zum einen seitens der Wirtschaftstreibende, zum anderen  seitens der Erholungssuchenden. In seinem Vortrag präsentierte Hans-Ulrich Dietz mit der Modellierung von virtuellen Wäldern mitsamt Baumartenklassifikation und Oberflächenmodellen ein konkretes Praxisbeispiel: „Mit dem virtuellen Wald können sich WaldbesitzerInnen um das Wesentliche kümmern“. Denn durch dieses Tool lassen sich Fällung, Rückung und andere Arbeitsschritte detailliert und bei Einverständnis besitzübergreifend planen, worin vor allem das Potenzial für Kleinbetriebe mit geringen Schlaggrößen liegt. Über die Entwicklung der Forstkarten in den letzten Jahrzehnten sprach Rudolf Freidhager, Österrreichische Bundesforste. Er sieht die Digitalisierung als ein Instrument zur Problemlösung, jedoch fehlen in vielen Bereichen noch detaillierte Daten. Iris Eisenberger, BOKU, erklärte, welche Daten in der Forstwirtschaft gesammelt werden dürfen und wie sich FörsterInnen vor unerlaubter Verwendung schützen können. Wichtig dabei ist die Unterscheidung zwischen personenbezogenen und nicht-personenbezogenen Daten, denn wenn persönliche Daten zum Waldbesitzer vorliegen, hat dieser durchaus rechtliche Handhabe. Regulierungsbedarf sieht sie insbesondere bei der Software von Arbeitsgeräten, denn dort wird oft alternativlos Service gegen Daten angeboten. Fragen stellten sich vor allem im Zusammenhang mit Kundendatenverarbeitung und -sicherung in Sägewerken. Es ist jedoch nicht eindeutig geklärt, wie sich Betriebe rechtlich absichern können. Auch die Frage, wo das Recht zur Datenerhebung im Wald herkommt, wurde häufig aufgegriffen. Solange die Datenerhebung aber nicht explizit verboten ist, können auch – sofern man sich in dem Wald aufhalten darf – diese Angaben erhoben werden. 

Nutzen wir nun die Chancen der Digitalisierung oder wird unser Handeln durch die Digitalisierung bestimmt? Wir tun alle das, was unserem Unternehmen nützt, denn: „Ein Stück weit getrieben sind wir alle von der Technik“.