Kenianische Bäuerin nimmt Messung an Mais vor

Zu Beginn unseres Jahrtausends setzte sich die Staatengemeinschaft die Millennium Development Goals (MDGs). Beachtliche Erfolge konnten erzielt werden. Das Ziel, den Anteil der extrem Armen (weniger als 1,25 US$/Tag) und Hungernden zu halbieren, wurde beispielsweise übertroffen. Der Erfolg ist aber regional sehr ungleich verteilt. Während China zwischen 1990 und 2015 eine Reduktion um 94 % erreichen konnte, reduzierte sich der Anteil der extrem Armen in Subsahara-Afrika nur um 28 % (Vereinte Nationen 2015, S.7).

Im September 2015 beschlossen die VertreterInnen von 193 Staaten in New York die Sustainable Development Goals (SDGs) – 17 Nachhaltigkeitsziele mit 169 konkreten Zielsetzungen und 230 Indikatoren – als Nachfolge der Millennium Development Goals. Diese ambitionierte und universelle Agenda 2030 zielt auf die Transformation unserer Welt in Richtung Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit ab (Vereinte Nationen Generalversammlung 2015, S.1)

Bei den SDGs sind nicht mehr nur Veränderungen in Entwicklungsländern intendiert, sondern es geht um eine transformative Politik in allen Ländern. Dementsprechend sind die SDGs thematisch umfassender und die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung (ökologisch, ökonomisch, sozial) stärker integriert als es etwa bei den MDGs (Beisheim 2016, S.1).

ABBILDUNG 1: ZIELE FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Quelle: Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa – UNRIC 2017: Ziele für nachhaltige Entwicklung, https://www.unric.org/de/component/content/article/27740

 

Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Aid – ODA)

Die öffentlichen Ausgaben der entwickelten Länder unter der Rubrik Entwicklungszusammen-arbeit stieg zwischen 2000 und 2014 real um 66 Prozent auf 135,2 Milliarden US-Dollar (Vereinte Nationen 2015, S.14). Aktuell werden 142,6 Milliarden US-Dollar (2016) aufgewendet, ein Anstieg von 8,9 % zu 2015 (OECD 2017a).

ABBILDUNG 2: AUFWENDUNGEN FÜR ENTWICKLUNGSHILFE NACH AUFGABEN 2016 IN MRD. US-DOLLAR

Quelle: OECD (2017a): Development aid rises again in 2016 but flows to poorest countries dip. http://www.oecd.org/dac/financing-sustainable-development/development-aid-rises-again-in-2016-but-flows-to-poorest-countries-dip.htm

Die österreichischen Ausgaben für die Flüchtlingskrise haben 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 27,5 % zugenommen. Die Aufwendungen für humanitäre Hilfe um 8 % auf 14,4 Milliarden US-Dollar.

ABBILDUNG 3: ÖFFENTLICHE ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT IN PROZENT DES BRUTTOINLANDSPRODUKTS 2016 IN VERSCHIEDENEN LÄNDERN

Quelle: OECD (2017b): Compare your Country. Official Development Assistance 2016, http://www2.compareyourcountry.org/oda?cr=20001&cr1=oecd&lg=en&page=0

Die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit deckt in den am wenigsten entwickelten Ländern zwei Drittel der externen Finanzierung ab (OECD 2017a).

1970 setzten sich die Vereinten Nationen das Ziel, dass Industrieländer 0,7 Prozent ihres BIP für Entwicklungszusammenarbeit aufwenden sollen. Österreich gibt aktuell (2016) 1,58 Milliarden US-Dollar (2015: 1,32 Mrd.) – 0,41 % des BIP – für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit aus (OECD 2017b).

 

Handel mit Agrarprodukten

Der Anteil der zollfreien Importe der entwickelten Länder aus den Entwicklungsländern ist in den vergangenen Jahren gestiegen. 2014 wurde 84 Prozent der aus am wenigsten entwickelten Ländern (least developed countries) und 79 Prozent der Importe aus Entwicklungsländern in die Industriestaaten eingeführten Waren zollfrei importiert. Der Anteil der Exporte aus am wenigsten entwickelten Ländern, die eine über den Meistbegünstigungssatz hinausgehende Vorzugs-behandlung erhielten, stieg 2014 auf etwa 60 Prozent gegenüber 53 Prozent 2011 (Vereinte Nationen 2015, S.64).

ABBILDUNG 4: DURCHSCHNITTSZÖLLE DER ENTWICKELTEN LÄNDER AUF AUSFUHREN AUS ENTWICKLUNGS- UND AM WENIGSTEN ENTWICKELTEN LÄNDERN 1996–2014 (IN PROZENT DES WARENWERTS)

Quelle: Vereinte Nationen (2015): Millenniums-Entwicklungsziele Bericht 2015, S.64
http://www.un.org/depts/german/millennium/MDG%20Report%202015%20German.pdf

Mit der Initiative „Alles außer Waffen“ („Everything But Arms“ – EBA) gewährt die EU den am wenigsten entwickelten Ländern den zoll- und kontingentfreien Zugang für alle Produkte, ausgenommen Waffen und Munition. Die 49 am wenigsten entwickelten Länder können die EBA-Regelung für eine unbegrenzte Zeit in Anspruch nehmen (Europäisches Parlament 2017).

 

TABELLE 1: WARENANTEIL (AUSSER WAFFEN), DIE AM WENIGSTEN ENTWICKELTE LÄNDER OHNE ZÖLLE IN DAS BETREFFENDE LAND EXPORTIEREN KÖNNEN, IN PROZENT

Quelle: World Bank (2017): World Development Indicators: Global goals: strengthening partnership. http://wdi.worldbank.org/table/WV.4#

2015 einigten sich die WTO-Mitglieder bei der Ministerkonferenz in Nairobi darauf, die staatliche Beihilfen für den Agrarexport bis 2018 abzuschaffen – Entwicklungsländer bekommen dafür Zeit bis 2023, und den am wenigsten entwickelten Länder wird noch mehr Zeit eingeräumt (WTO 2017).

 

Nahrungsmittel-Verluste

Ungefähr 1,3 Milliarden Tonnen jährlich – ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion – geht über die gesamte Lieferkette verloren, von der ursprünglichen landwirtschaftlichen Produk-tion bis zum Haushaltskonsum. In Ländern mit mittleren und hohen Durchschnittseinkommen werden erhebliche Mengen noch genießbarer Nahrungsmittel weggeworfen. Nennenswerte Verluste entstehen auch am Beginn der Kette. In Ländern mit niedrigem Durchschnitts¬ein-kommen gehen Nahrungsmittel vor allem in den frühen und mittleren Stufen der Kette verloren (Gustavsson et al. 2011, S.4).

ABBILDUNG 5: ANTEIL DER GETREIDE-PRODUKTION, DER ENTLANG DER PRODUKTIONSKETTE VERLOREN GEHT, NACH REGIONEN

Quelle: Jenny Gustavsson et al. (2011): Global Food Losses and Food Waste. Extent, Causes and Prevention. S.6 http://www.fao.org/docrep/014/mb060e/mb060e.pdf

ABBILDUNG 6: ANTEIL DER PRODUKTION VON MILCHPRODUKTEN, DER ENTLANG DER PRODUKTIONSKETTE VERLOREN GEHT, NACH REGIONEN

Quelle: Jenny Gustavsson et al. (2011): Global Food Losses and Food Waste. Extent, Causes and Prevention. S.9 http://www.fao.org/docrep/014/mb060e/mb060e.pdf

 
Technische Innovationen in Zeiten des Klimawandels
Die FAO geht davon aus, dass der Klimawandels nach 2030 zu einem beträchtlichem Rückgang der agrarischen Produktion in allen Regionen weltweit führen wird. Dies hat ernstzunehmenden Folgen für die Ernährungssicherung aufgrund von Ernteausfällen und zunehmender Preisvolatilität. Der Klimawandel kann dazu führen, dass sich die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen um 35 bis 122 Millionen ansteigt. Hauptursache sind die negativen Auswirkungen auf den agrarischen Sektor. Die größte Zunahme ist in Subsahara Afrika zu erwarten (FAO 2016, S.9–13).

ABBILDUNG 7: ERNÄHRUNGSUNSICHERHEIT UND VERWUNDBARKEIT DURCH KLIMAWANDEL – HEUTE

Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO 2016): FAO in Brief. The State of Food an Agriculture. Climate Change, Agriculture and Food Security 2016, S.12.
http://www.fao.org/3/a-i6132e.pdf

ABBILDUNG 8: VERÄNDERUNG DER ANZAHL DER DURCH HUNGER BEDROHTEN MENSCHEN BIS 2050 DURCH VERBESSERTE LANDWIRTSCHAFTLICHE TECHNOLOGIEN – RELATIV

Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO 2016): FAO in Brief. The State of Food an Agriculture. Climate Change, Agriculture and Food Security 2016, S.14.
http://www.fao.org/3/a-i6132e.pdf

 

Literatur und Quellen

Marianne Beisheim (2016): Die Umsetzung der VN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung Welche Signale Deutschland jetzt international setzen sollte, SWP-Aktuell 19, März 2016.
https://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2016A19_bsh.pdf [Abruf 12.05.2017]

Europäisches Parlament (2017): Handelsregelungen für Entwicklungsländer. http://www.europarl.europa.eu/atyourservice/de/displayFtu.html?ftuId=FTU_6.2.3.html#_ftn5
[Abruf 15.05.2017]

Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO 2016): FAO in Brief. The State of Food an Agriculture. Climate Change, Agricultre and Food Security 2016. http://www.fao.org/3/a-i6132e.pdf [Abruf 12.05.2017]

Jenny Gustavsson, Christel Cederberg, Ulf Sonesson, Robert van Otterdijk, Alexandre Meybeck (2011): Global Food Losses and Food Waste. Extent, Causes and Prevention. Study conducted for the International Congress SAVE FOOD! at Interpack2011, Food and Agriculture Organization of the United Nations, Rome. http://www.fao.org/docrep/014/mb060e/mb060e.pdf [Abruf 12.05.2017]

OECD (2017a): Development aid rises again in 2016 but flows to poorest countries dip. http://www.oecd.org/dac/financing-sustainable-development/development-aid-rises-again-in-2016-but-flows-to-poorest-countries-dip.htm [Abruf 12.05.2017]

OECD (2017b): Compare your Country. Official Development Assistance 2016. http://www2.compareyourcountry.org/oda?cr=20001&cr1=oecd&lg=en&page=0 [Abruf 12.05.2017]

Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa – UNRIC 2017: Ziele für nachhaltige Entwicklung. https://www.unric.org/de/component/content/article/27740 [Abruf 12.05.2017]

Vereinte Nationen (2015): Millenniums-Entwicklungsziele Bericht 2015, New York. http://www.un.org/depts/german/millennium/MDG%20Report%202015%20German.pdf
[Abruf 12.05.2017]

Vereinte Nationen Generalversammlung (2015): Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, non der Generalversammlung auf ihrer neunundsechzigsten Tagung an das Gipfeltreffen der Vereinten Nationen zur Verabschiedung der Post-2015-Entwicklungsagenda überwiesener Resolutionsentwurf, 18. September 2015.
http://www.un.org/depts/german/gv-70/a70-l1.pdf [Abruf 12.05.2017]

World Bank (2017): World Development Indicators: Global goals: strengthening partnership. http://wdi.worldbank.org/table/WV.4#
[Abruf 15.05.2017]

World Trade Organization (2017): 10. WTO Ministerial Conference, Nairobi 2015: Briefing note: Agriculture issues. https://www.wto.org/english/thewto_e/minist_e/mc10_e/briefing_notes_e/brief_agriculture_e.htm
[Abruf 15.05.2017]