5. Projekttreffen „Is nu guat“

Allgemein

Am 16. September fand das 5. Treffen zum Projekt „Nachhaltig Leben – JETZT“ statt. Dieses Mal sprachen wir die Wertschätzung unserer Lebensmittel – wie viele Lebensmittel landen tagtäglich im Müll und wie können wir diese Lebensmittelabfälle vermeiden?

Zu Gast mit vielen Inputs und als Leiterin der Diskussion war Isolde Baumgartner vom Klimabündnis OÖ – danke dafür!

Lebensmittelabfälle

Zunächst beschäftigten wir uns mit einer Einschätzung, wie viel Lebensmittel hierzulande weggeworfen werden. Recherchiert man online dazu, trifft man teilweise auf recht unterschiedliche Zahlen, doch eines ist sicher: viel zu viele Lebensmittel landen tagtäglich im Müll – ein großes Problem für die Umwelt. Hier ein Überblick an interessanten Fakten:

  • Weltweit landet 1/3 der Lebensmittel auf dem Müll
  • In der EU fallen pro Person jährlich geschätzte 170 kg an Lebensmittelabfall und -verluste an – hier sind auch Verluste in Gastronomie, Handel und direkt bei der Produktion / in der Landwirtschaft eingerechnet.

Den Blick direkt auf die Haushalte zeigt folgendes Bild mit wissenswerten Infos:

  • Ein Mensch in Österreich konsumiert jährlich etwa 314 kg Lebensmittel. Das sind 0,9 kg pro Tag (ohne Milch/Getränke)
  • Jede/r ÖsterreicherIn wirft jährlich 19 kg weg – das entspricht ca. 380 Semmeln.
  • 1/3 der weggeworfenen Lebensmittel werden originalverpackt entsorgt.
  • Der Wert der pro Haushalt entsorgten Nahrung beträgt rund 300 Euro pro Jahr.

Ansatzpunkt Haushalt

Die schlechte Nachricht: lässt man die Verluste in Landwirtschaft und Produktion außer Acht, ist der Haushalt wohl der zentrale Ort der Lebensmittelabfälle – weit vor Gastronomiebetrieben und Einzelhandel. Die gute Nachricht: genau dort kann jede/r Einzelne von uns was tun und umdenken!

Welche Lebensmittel werden am Häufigsten entsorgt?

Hier zeigt sich ein recht klares Bild, das sich auch mit den Erfahrungen in unserer Diskussionsrunde deckte.

  • Platz 1: Brot, Back- und Süßwaren
  • Platz 2: Obst und Gemüse
  • Platz 3: Milchprodukte und Eier
  • Platz 4: Fleisch, Wurstwaren, Fisch

Die Gründe dafür? In erster Linie geht es dabei um die Haltbarkeit dieser Produkte. Brot- und Backwaren schimmeln leicht, wenn sie falsch gelagert werden, auch Obst und Gemüse verdirbt oft schnell. Bei tierischen Produkten wie Milch, Eier und Fleisch ist der Grund, dass in punkto Haltbarkeit oft Unsicherheit besteht und viele Mythen kursieren.

Denkt man hier noch einen Schritt zurück, ist man beim Thema Einkauf: oft wird schlichtweg zu viel eingekauft – mehr als verbraucht werden kann, und die Waren verderben schließlich im Kühlschrank.

Was können wir tun?

Dass Brot, Obst und Gemüse leicht verdirbt, dass man hungrig keine „Hamsterkäufe“ tätigen sollte und von lockenden, günstigen Großpackungen die Finger lassen sollte, wissen vielen Menschen. Wir haben uns in der Gesprächsrunde Gedanken darüber gemacht, was wir nun trotzdem konkret tun können, um unsere Lebensmittelabfälle im Haushalt zu reduzieren und welche Tipps und Erfahrungsschatz wir teilen können.

Lagerungs- und Haltbarkeits-Tipps

  • mit der Kühltasche einkaufen gehen
  • Milchprodukte: riechen und kosten – sind oft Wochen über dem Mindeshaltbarkeitsdatum genießbar!
  • Äpfel nicht mit Kartoffeln gemeinsam lagern
  • Äpfeln nicht mit Bananen gemeinsam lagern
  • Kühlschränke mit unterschiedlichen Kühlzonen sind sehr hilfreich!
  • Brot in Brotdosen aufbewahren
  • Toastbrot im Kühlschrank lagern
  • Nüsse kühl und trocken aufbewahren
  • Zwiebeln nicht in den Kühlschrank
  • Tupper-Boxen für Wurst und Käse verwenden
  • frische Löffel zum Entnehmen von Pesto, Marmelade etc. verwenden

Angebrochenes und Zubereitetes

  • Salate nicht unbedacht marinieren/zubereiten: marinierter Salat wird binnen kurzer Zeit welk, marinierter Kartoffelsalat hat ebenfalls eine sehr kurze Haltbarkeitsdauer
  • Geöffnete Dosenwaren (Mais, Bohnen,…) umbedingt umfüllen zum lagern
  • Nudeln/Reis sind gekühlt und trocken 1-2 Tage haltbar
  • Abdeckfolien mit Bienenwachs verwenden

Allgemeine Tipps

  • Wochenspeisepläne + Einkaufslisten erstellen
  • Großpackungen und Lockangebote meiden
  • Feedback geben: zB. an das höhere Management von Supermärkten (zB. Packungsgrößen, Verpackungsart,…)
  • Selbst anbauen (Gartenflächen mieten,…)
  • Auf die eigenen Sinne verlassen: Sehen, riechen, schmecken
  • Einstellung/Wertschätzung der Lebensmittel stärken – „tu gutes und sprich darüber“

„Last Minute“-Tipps

  • Einfrieren (auch gekochte Speisen lassen sich oft einfrieren)
  • Einkochen (Marmelade aus Früchten und Gemüse)
  • Reste von Wein, Sauce, Saft,.. in Eiswürfelförmchen einfrieren
  • Verschenken / Bereitstellen zur freien Entnahme
  • An Foodsharing-Initiativen teilnehmen

Drei tolle Initiativen

Projekt „Is nu guat!

Die Initiative vom OÖ Landesabfallverband und dem Land OÖ, die großflächig Aufklärung betreibt: Mindesthaltbarkeit, Verbrauchsdatum, Einkaufstipps uvm. eine tolle Informationskampagne, die zu zahlreichen kursierenden Mythen und Irrglauben informiert, unterlegt mit vielen Tipps und Tricks für den Alltag.

Was ihr tun könnt: reinschauen, reinlesen und Wissen weiterverbreiten!
Zu >> Is nu guat

Kochtopf statt Mistkübel

Eine Geschichte, die berührt: Sabine Reisinger (S’Fachl Linz) hat diese Initiative ins Leben gerufen – denn ihr Motto lautete: über die Problematik reden ist schön und gut, aber was kann man konkret tun? Sie nahm Kontakt zu Politik und großen Lebensmittelunternehmen auf und bat darum, Lebensmittel vor dem Wegwerfen abholen zu dürfen. Sie heuerte einen kreativen Koch an und zauberte aus den geretteten Waren Köstlichkeiten – auf Straßen, in Gemeinden,… Interesse und Erfolg sind groß: mittlerweile wird bei den Konzerten der Burg Clam gekocht. Die Erlösen werden an die Obdachlosenhilfe gespendet.

Was ihr tun könnt: Mitmachen und nachmachen! Freiwillige Helfer werden immer gesucht; den Kochcontainer könnt ihr mieten und selbst retten, kochen, aktiv werden!
Zu >> Kochtopf statt Mistkübel auf Facebook

Foodsharing und Foodsaving

Die Plattform hilft euch, dass ihr nicht mehr benötigte Lebensmittel zur Verfügung stellen könnt, bzw. könnt ihr auch selbst welche abholen und so vor dem Wegwerfen retten. An einigen öffentlichen Orten stehen auch sogenannte Fairteiler: Kühlschränke mit geretteten Lebensmitteln, an denen man sich (kostenlos) bedienen kann. Auch als Foodsaver kann man über die Plattform in seiner Stadt aktiv werden. Nach Registrierung und einer Einführung durch erfahrene Foodsaver seid ihr befugt, Lebensmittel und Waren von Betrieben zu retten.

Was ihr tun könnt: Als Foodsaver aktiv werden oder Food sharen, Fairteiler befüllen und nutzen.
Zu >>Foodsharing.at

Quellen, Tipps und Links:

Film-Tipp: Valentin Thurn – 10 Milliarden. Wie werden wir alle satt

Wir wünschen viel Freude beim Nutzen der Tipps und beim Engagieren!