Gestern Abend fand das 4. Treffen zum Projekt „Nachhaltig Leben – JETZT“ statt. Dieses Mal sprachen wir über Nachbarschaftshilfe, verschiedene vorbildliche Initiativen und die Möglichkeiten im urbanen Raum.

Zu Gast mit tollen Inspirationen waren Herr Dr. Hermann Eckert (Zeitbank Eggendorf im Traunkreis) und Maria Hackl (u.a. Verein „Besser leben“ in Linz Urfahr).

Nachbarschaftshilfe

Vorweg: Was ist „Nachbarschaftshilfe“ überhaupt? Das wesentliche Merkmal der gegenseitigen Hilfe ist, dass sie ohne Entgelt erbracht wird. Die Idee der Nachbarschaftshilfe gibt es schon lange: sei es zur Abwehr von Bedrohung und Gefahr (Schutz vor Wasser, Feuer,…), zur Bewältigung der Arbeit (zB. Ernten), bis hin zur Bewältigung von Alltag und Krisen (Krankheit, Armut).

Lebte man früher in der Stadt gesünder (wegen rascherem Zugang zu medizinischen Versorgungsmöglichkeiten), hat sich das Blatt nun gewendet: Die Kombination aus der Überhäufung mit Reizen (Leben dicht an dicht, Veranstaltungen, Menschen, Konsummöglichkeiten,…) und gleichzeitiger Isolation („man kennt sich nicht“) kann gefährlich sein. Das Landleben, eingebettet in Familie und Nachbarschaft ist der psychischen Gesundheit dienlicher

Video-Tipp:

Zeitbank

Eine tolle Initiative für organisierte Nachbarschaftshilfte ist die „Zeitbank“. Sie deckt regional Bedarfe ab und ist mittlerweile in Österreich, Deutschland und Tschechien aktiv. Dr. Hermann Eckert gab spannende Einblicke. Alle Informationen dazu auf www.zeitbank.at – hier einige interessante Fakten:

  • Rasenmähen, Formulare ausfüllen, Kinderbetreuung, Transporte – bei der Zeitbank sind (fast) alle Arten der Hilfe möglich
  • Voraussetzung ist die Mitgliedschaft beim Verein (3,- monatliche Gebühr, inkl. Versicherung)
  • Jede Stunde geleistete Arbeit wird dem persönlichen Zeitkonto gutgeschrieben und kann für den Empfang anderer Leistungen eingelöst werden.
  • Fakt: Zeit ist nicht inflationär – 1 Stunde auf dem Zeitkonto ist auch in 10 Jahren noch 1 Stunde wert!
  • Wer aus Gründen wie (Alter, Gebrechlichkeit,…) keine Gegenleistung erbringen kann, kann auch Zeitbank-Stunden kaufen: 10 Stunden kosten 36,-.
  • monatliche (freiwillige) Stammtische der Zeitbank-Mitglieder stärken die Gemeinschaft

Die Zeitbank trägt im Ursprungs-Logo den Zusatz „55+“ – gegen den hat sich Hermann Eckert in Eggendorf bewußt entschieden: die Zeitbank und Nachbarschaftshilfe im Allgemeinen ist in allen Altersgruppen Thema, nicht nur im hohen Alter: die Hecke schneiden, auf die Kinder aufpassen, einen Anhänger ausleihen – so ist die Zeitbank zB. einer jungen Familie hilfreich. Alle, jung und alt, helfen im Idealfall zusammen, um den Bedarf an Hilfe abzudecken.

Wer selbst eine Zeitbank im Ort gründen möchte, kann sich gerne an die Zeitbank wenden – Alle Informationen und Hilfestellung bekommt man dort: www.zeitbank.at

Ehrenamt im urbanen Raum

Zum ehrenamtlichen Engagement bekamen wir von Maria Hackl viele Einblicke:

  • Es braucht Zeit, um das „Vertrauen“ der Menschen zu gewinnen und einen Verein aufzubauen und zu erweitern
  • Treffen für verschiedene Unternehmungen, Kultur, Austausch, Hilfeleistung werden immer mehr gebraucht
  • Beispiele: Web-Cafes, Nähcafe, Mal-Treff, Koch- und Backmethoden weitergeben,…
  • Schwierigkeit: Ehrenamt schmackhaft zu machen und ehrenamtliche HelferInnen zu gewinnen. Die Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, sind für Interessierte aber vielfältig: es gibt rund 14.000 Vereine in Oberösterreich!

Weitere Tipps, Ideen und Initiativen zur Nachbarschaftshilfe:

  • www.pumpipumpe.ch: Plattform zur gemeinsamen Nutzung von Gebrauchsgegenständen: Pastamaschine, Werkzeug, Zelt,….
  • www.fragnebenan.at: Vernetzung mit Nachbarn, Möglichkeiten zum Austausch von Interessen, Angebot von Hilfe: zB. Übernehmen von Paketen, Blumengießen bei Urlaub,…
  • www.groops.at: Finden von regionalen Gruppen mit gleichen Interessen: Sportpartner, Spieleabende, Treffs,…
  • Otelo Linz: Menschen verbinden. Repair-Cafe, WordPress-meetup, Bike-Kitchen und mehr
  • Hilfe im Alltag: Die Vorchdorferin Maria Schimpl hat den steigenden Bedarf an Hilfeleistungen im Alltag zum Beruf gemacht – ein Modell für die Zukunft!
  • Dorffunk: Unter dem Motto „Landleben läuft – durch dich“ wurde in Rheinland-Pfalz (D) ein Infodienst per Whatsapp ins Leben gerufen. Die Bewohner bleiben in punkto News, Veranstaltungen, Hilfeleistungen, Aus- und verleihen, etc. auf dem Laufenden
  • Facebook-Gruppen für den Linzer Raum: Linz tauscht / Biete & suche & verschenke – Linz und Umgebung / Linz verschenkt Umzugskartons / und weitere zu den Themen Verkaufen, Verschenken, Lebensmittelrettung, Ernteüberschüsse teilen,…
  • Legt einfach im Kleinen los: wie wäre es mit einem Aushang mit einer Einladung zum Grillfest in der Straße oder im Wohnblock, um einfach mal mit den Nachbarn in Kontakt zu kommen? Oder mit einem Tausch- und Verschenke-Korb vor eurem Gartentor oder Hauseingang?

Wir wünschen viel Freude beim Nutzen der Tipps und beim Engagieren in der Nachbarschaft. Denkt dran: wenn jede/r von uns ab und zu einen kleinen Beitrag leistet, ist schon ganz viel getan! Also legt los 🙂