Nachlese: Gutes Gewissen – Guter Geschmack 2018

Nahrungsquelle Wien Veranstaltungen

Die Fachtagung „Gutes Gewissen – Guter Geschmack 2018“, war auch in ihrer fünften Auflage ein voller Erfolg. Unter dem Titel „Gemeinschaftsverpflegung richtig, gut, günstig – von klein an“ stand diesmal die gesunde, umweltschonende, tierwohlfördernde und – last not least – schmackhafte Ernährung von Kindern und Jugendlichen in Ausbildungs- und Betreuungseinrichtungen im Fokus.

Die Tagung wurde inclusive des begleitenden Pressehintergrundgespräches federführend von der MA22 – Wiener Umweltschutzabteilung organisiert und in Kooperation mit dem Ökosozialen Forum Wien und der Tierschutzombudsstelle Wien abgehalten. Als passende Orte wurden diesmal das Jugendzentrum Donaustadt für die Pressekonferenz sowie die Hertha Firnberg Schulen als Ort der Fachtagung gewählt.

Erkenntnisse:

Vor allem Gemeinschaftsküchen bieten hier einen wichtigen Impuls, um gesundes, umweltschonende und tierwohlfördernde Lebensmittel auch wirklich allen jungen Menschen in Wien zu erschließen. Durch die Beschaffungspolitik der Stadt im Rahmen des Programmes ÖkoKauf Wien steht der Stadt hier ein wichtiger Hebel zur Verfügung. Durch die Beschaffungspolitik liegt Wien hier im Bundesländerranking von Greenpeace sehr gut, was die ökologische Beschaffung von Lebensmitteln betrifft. Dadurch wird die Einkaufspolitik der Stadt als ein Hebel genutzt, um biologische Landwirtschaft und die ökologische und nachhaltige Produktion von Lebensmitteln als solches zu fördern.

Neben der Vermittlung von Informationen und Wissen brauche es aber auch ein Anfassen und Schmecken: Schulen und Unterricht böten hier ebenso wie das Familienleben oder die gemeinsamen Zeit mit Freund*innen – zum Beispiel im Jugendzentrum – wichtige Chancen, um Kochen, Essen und Genießen gemeinsam zu entdecken und zu erleben. So bekämen die jungen Menschen die Möglichkeit, wichtige Erfahrungen zu sammeln: Wie koche ich einfach Gerichte aus Grundnahrungsmitteln? Wann ist ein Lebensmittel noch genießbar? Vor allem müsse man Kinder und Jugendliche müssten dort erreicht werden, wo sie ihre Zeit verbringen – mit einer Sprache und mit Angeboten, die attraktiv für sie sind, und durch die sie sich für die Themen öffnen.

Befunde der Wissenschaft:

Auch die Befunde der Wissenschaft sind eindeutig: das derzeitige Ernährungssystem kann an vielen Punkten verbessert werden – zum Wohle der Menschen, der Tiere und der Umwelt. Die positiven Effekte in allen drei Dimensionen Hand in Hand gehen können. Die Ökonomin Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien betonte, dass die zahlreichen negativen Effekte des aktuellen Ernährungssystems – vom klimaschädlichen Treibhausgasausstoß bis zu den gesundheitlichen Folgen – in den Preisen der Produkte nicht abgebildet sind, und so letztendlich durch die Gesellschaft getragen werden müssen. Dass die Frage des Umwelt- und Klimaschutzes eine wesentliche ist – nämlich auch und besonders im Interesse der Menschen –  stellte die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb mit ihren Ausführungen außer Frage. Der Umweltmediziner Hans Peter Hutter von der MedUni Wien beispielsweise wies auf die gesundheitlichen Risiken durch übermäßigen Fleischkonsum hin. Insbesondere Kinder bedürfen im Bereich der Ernährung des besonderen Schutzes und besonderer Qualität, um sich nach ihrem vollen Potential sowie gesund und glücklich entwickeln zu können:

Auf den Punkt brachte Helga Kromp-Kolb diese Zusammenhänge mit ihrer These der sieben positiven Wirkungen durch eine Ernährungsumstellung auf eine weniger fleischlastige, regionalere und ökologisch-biologische Ernährung:

  1. Wir leben gesünder.
  2. Wir nehmen weniger Gifte und unerwünschte Hormone auf.
  3. Es schmeckt besser, weil saisonale und regionale Produkte an der Sonne reifen können und mehr natürliche Geschmacksstoffe enthalten.
  4. Wir reduzieren Tierleid, weil weniger Tiere zur Fleischerzeugung gehalten werden müssen und weil in der biologischen Landwirtschaft Tiere einen Mindestauslauf haben.
  5. Unsere Böden können gesunden.
  6. Wir unterstützen die Landwirtinnen und Landwirte, denn gesündere Böden sind unempfindlicher gegen Dürre und Überschwemmungen im Zuge des Klimawandels.
  7. Wir tragen zum Klimaschutz bei, denn Kohlenstoff, der im Boden gespeichert wird, ist nicht als Kohlendioxid in der Atmosphäre klimawirksam.

Ernährung – Eine wichtige Frage im Rahmen der UNO Nachhaltigkeitsziele (SDGs)

Natürlich blieben bei all diesen Fragen die UN Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDGs) nicht unerwähnt, und gerade Lebensmittel und Ernährung schienen den Teilnehmer*innen besonders geeignet, um die „SDGs“ anhand etwas sehr Konkretem, das wir be- und angreifen sowie schmecken können – nämlich unserem Essen – zu den Menschen zu bringen. Denn die Vernetzheit der Ziele – von Fragen der Gesundheit und selbstentfaltung über Fragen der Bildun bis hin zum Klimaschutz, vom Klimaschutz über Maßnahmen gegen Hunger und Fehlernährung bis hin zu menschenwürdiger Arbeit und globaler Partnerschaft – in unserem Essen steckt die ganze Geschichte nachhaltiger Entwicklung, von A bis Z.

Facit:

Die Tagung war erneut ein voller Erfolg. Doch da Tagen und Reden ist das eine, und TUN das andere ist, freuen wir uns ganz besonders auf das, was aus der Tagung entsteht! Denn der Initiative „Gutes Gewissen – Guter Geschmack“ geht es allem voran ums TUN. Hier konnten in den vergangenen Jahren schon viele erfolgreiche Projekte, Partnerschaften und Aktivitäten initiiert werden. Unser Motto: weiter so!

Das Jugendzentrum Donausstadt lebt diesen Ansatz bereits gelungen vor: hier kochen die Jugendlichen Woche für Woche selbst. Die Lebensmittel dafür erhalten sie von einem nahegelegenen Supermarkt, der Ihnen diese kurz vor Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums kostenlos überlässt. Auf der Pressekonferenz kamen diesmal auch wir in den Genuss dieser Kochkünste!

Links:

Über die Initiative „Gutes Gewissen – Guter Geschmack“

Die gemeinsame Initiative „Gutes Gewissen – Guter Geschmack“ der Wiener Umweltschutzabteilung – Magistratsabteilung 22, der Tierschutzombudsstelle Wien und des Ökosozialen Forums Wien hat es sich zum Ziel gesetzt, die Auswirkungen unseres Lebensmittelkonsums auf Umwelt, Tier, Mensch und Gesundheit aufzuzeigen und gemeinsam Lösungsvorschläge für mehr Tier-,Umwelt- und Klimaschutz in der Lebensmittelproduktion und -versorgung zu entwickeln.

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