Wildpflanzen sind in aller Munde. Selbst SkeptikerInnen kommen um das jährliche Bärlauch-Pesto kaum herum, und spätestens beim Hollersirup ist man überzeugt.
Doch Wildpflanzen eignen sich nicht nur als wohlschmeckende und nährstoffreiche Lebensmittel. Ihre Präsenz in der Stadt ist auch ein wesentlicher Beitrag zur Lebensqualität und zur Klima-Resilienz hinsichtlich der Agenda 2030. Ein Blick auf die Vielfalt der Wildpflanzen in Wien lohnt sich also in vielerlei Hinsicht.

Auf dieser Seite haben wir für euch folgende Inhalte zusammengestellt:

  1. Die Zukunft der Stadt ist wild! Was Wildpflanzen zur nachhaltigen Entwicklung Wiens beitragen können.
  2. Das Sammel-Einmaleins: Wo, was und wie viel darf in Wien gesammelt werden, und wie können Pflanzen identifiziert werden?
  3. Die essbare Stadt – unsere Top 3: Leicht bestimmbare, lokale und schmackhafte Wildpflanzen inklusive Rezept.
  4. Tipps & Links: Hier sind weiterführende Informationen zum Auffinden, Bestimmen und Verwenden von Wildpflanzen versammelt.
Bild: Elisabeth Pollak

1. Die Zukunft der Stadt ist wild!

Enthusiasten behaupten, dass Wildpflanzen in einer enkelgerechten Stadt unentbehrlich sind. Aber stimmt das?
Fest steht, dass urbane Grünräume zahlreiche Funktionen erfüllen, ohne die das Leben in der Stadt trist aussehen würde [1]. Pflanzen filtern Schadstoffe aus Luft, Wasser und Boden, sie spenden Kühle an heißen Tagen, verhindern Überschwemmungen und ermöglichen uns Erholung und Natur-Erfahrungen. Von Menschen bewusst angelegte Bepflanzungen wie Parks und Gärten bieten all das ebenso, und sind daher zurecht ein wichtiger Bestandteil der städtischen Infrastruktur.
Aber wilde Flächen bieten darüber hinaus einige Bonus-Punkte:

  • Die Anlage und Pflege von weitgehend sich selbst überlassenen Pflanzengesellschaften ist kostengünstig und erfordert wenig Aufwand [2], [3].
  • Einheimische wilde Arten haben in Sachen Biodiversität die Nase vorne. Zum Beispiel bieten heimische Bäume bis zu fünf mal so viel Futter für Vögel wie eingebürgerte Arten [2]. Die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern ist eines der 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung („sustainable development goals“ – SDGs) [4].
  • Viele Wildpflanzen haben herausragende medizinische Qualitäten. Diese Apotheke vor der Haustüre zu nutzen, entlastet globale Liefer-Ketten und schont die Bestände übernutzter und gefährdeter Pflanzen-Arten [5].
  • Verwilderte Flächen laden zur Auseinandersetzung mit der Natur ein. Sie fördern kreatives Spiel, lassen Kinder zu EntdeckerInnen werden, und eignen sich zur Beobachtung von Ökosystem-Zusammenhängen [2].
  • Um einheimische Pflanzen ranken sich zahllose Geschichten und Mythen sowie jahrhundertealtes Erfahrungswissen über ihre Verwendung. Dieses kulturelle Erbe zu erhalten klappt nur, wenn auch die dazugehörigen Pflanzen Teil unserer Landschaft bleiben [6].
  • Und nicht zuletzt: Wildpflanzen können zur Lebensmittelversorgung in Städten beitragen [3]. Saisonaler und regionaler geht’s kaum!

Zweifellos liegt also viel Potential in den wilden grünen Ecken Wiens. Ebenso wichtig ist es aber, diese wertvolle Ressource mit Bedacht zu nutzen. Wie kann sichergestellt werden, dass das Sammeln die Umwelt nicht beeinträchtigt? Dieser und anderen Fragen geht die Universität für Bodenkultur im Rahmen des Forschungsprojekts UrbanWildFoods nach. Das Ziel des bis 2021 laufenden Projekts ist es, die ökologische und sozio-politische Nachhaltigkeit der Wild-Sammlung in Wien zu untersuchen und zu fördern.


Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare). Bild: Elisabeth Pollak

Das Sammel-Einmaleins

In den weitläufigen Grünräumen Wiens kommen Wildpflanzen-LiebhaberInnen ganz auf ihre Kosten. Zum Schutz der Ökosysteme, aus Respekt vor Eigentum und zur Vermeidung von Konflikten bestehen aber gewisse Regeln, die unbedingt beachtet werden sollten. Dieser kurze Leitfaden soll dabei als Unterstützung dienen.

Im Folgenden haben wir einige wichtige Informationen für Sie versammelt, die Sie vor dem Sammeln unbedingt lesen sollten.

Pflanzen sicher bestimmen

Der gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) ist häufig anzutreffen, aber nicht zum Verzehrt geeignet. Bild: Elisabeth Pollak

Pflanzen, die am Teller landen sollen, müssen zuvor unbedingt eindeutig identifiziert werden. Wenn Unsicherheit darüber besteht, so sollte man die Pflanze jedenfalls besser stehen lassen! Denn eine unglückliche Verwechslung kann zu erheblichen gesundheitlichen Schäden, ja sogar zur tödlichen Vergiftung führen.

Zur eindeutigen Bestimmung sollte man stets auf Quellen zurückgreifen, die vertrauenswürdig, unmissverständlich und detailliert sind. Zahlreiche Apps, die anhand eines Fotos vermeintlich die vorliegende Pflanze bestimmen, können zwar Glückstreffer landen – bevor eine Pflanze jedoch verzehrt wird, müssen alle Merkmale eingehend überprüft werden.

Viele Gewächse haben jedoch keine giftigen Doppelgänger, und können selbst von EinsteigerInnen sicher bestimmt werden. Folgende Bücher helfen heim Einstieg

  • Fleischhauer, Guthmann und Spiegelberger: Essbare Wildpflanzen – 200 Arten bestimmen und verwenden. AT Verlag. ISBN-13: 978-3038008866.
    Das Buch bietet einen niederschwelligen Einstieg durch den Fokus auf essbare Wildpflanzen; mit Fotos, Illustrationen prägnanten Bestimmungsmerkmalen und Tipps zur Verwendung.
  • Spohn, Golte-Bechtle und Spohn: Kosmos-Naturführer – Was blüht denn da? Kosmos Verlag. ISBN: 978-3440139653.
    Hier dienen detailreiche Farb-Illustrationen sowie typische Mermale der Pflanzenbestimmung. Sehr umfangreich und anschaulich.
  • Fischer; Oswald und Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen. ISBN: 978-3-85474-187-9.
    Dieses umfassende Werk ist der Ferrari unter den Bestimmungsbüchern. Die Verwendung des Schlüssels und die notwendigen botanische Grundbegriffe werden ausführlich erklärt. Eher für Ambitionierte, denn am Anfang ist für die Bestimmung etwas Übung (und eine Taschenlupe) nötig, es zahlt sich aber aus.
Alle Pflanzen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen sind in Privatbesitz. Wer hier sammeln möchte, braucht die Erlaubnis der Eigentümer. Foto: Elisabeth Pollak

Wo dürfen Wildpflanzen gesammelt werden?

Beinahe 45% der Gesamtfläche Wiens ist von Grünflächen bedeckt. Jedoch eignen sich nicht alle Grünräume für die Sammlung von Wildpflanzen. Im Zweifelsfall helfen folgende Fragen weiter:

Steht die Fläche, auf der ich sammeln möchte, unter Naturschutz?

Falls ja, müssen die dort geltenden Auflagen beachtet werden (siehe folgender Abschnitt „Sammelverbote durch den Arten- und Naturschutz“).

Befindet sich der Grund in Privatbesitz?

  • Zu privaten Anlagen zählen u.a. landwirtschaftliche Nutzflächen, Wohnhausanlagen, Sportanlagen und Freibäder sowie Firmen-Parkplätze. Das hier wachsende Pflanzenmaterial gehört den GrundeigentümerInnen. Für das Sammeln muss zuerst deren Erlaubnis eingeholt werden (Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch § 405).
  • Wälder: Obwohl viele Wälder in Privateigentum sind, ist laut Forstgesetz (§33) das Betreten des Waldes zu Erholungszwecken erlaubt, sofern der/die WaldbesitzerIn dies nicht ausdrücklich untersagt (z.B. durch ein angebrachtes Schild). Ebenso dürfen dort Wildpflanzen gesammelt werden, sofern kein eindeutiges Verbot kenntlich gemacht wird. Die Einhaltung erlaubter Mengen sowie der Arten- und Naturschutz müssen selbstverständlich weiterhin beachtet werden.

Ist die Fläche extra bepflanzt bzw. landschaftlich gestaltet?

Einige Parkanlagen, Spielplätze, Friedhöfe, Verkehrsinseln usw. werden von den Wiener Stadtgärten (MA 42) sorgsam bepflanzt und gepflegt. Hier kommt die Grünanlagenverordnung zum Tragen. Beete und die darin bestehenden Pflanzen dürfen nicht beschädigt werden, und sind somit für SammlerInnen tabu.

Sammelverbote durch den Arten- und Naturschutz

Alle unter Schutz stehenden Pflanzenarten sind in der Wiener Naturschutzverordnung aufgelistet. Für „streng geschützte“ und „prioritär bedeutende“ Arten (Kategorien A und B) gilt ein Sammel-Verbot. Sogenannte „geschützte“ Arten (Kategorien C und D) dürfen zwar in kleinsten Mengen gepflückt werden, man sollte aber erwägen, ob dies sinnvoll und notwendig ist.

Bärlauch im Biosphärenpark Wienerwald. Bild: Elisabeth Pollak

Neben einzelnen Arten stehen auch weite Teile von Wiens Grünflächen unter Naturschutz. Zum Beispiel die Donauauen (Nationalpark), der Lainzer Tiergarten (Natura2000-Gebiet) oder der Wienerwald (Biosphärenpark).
In Wien kommen acht verschiedene Schutz-Kategorien zur Anwendung, die jeweils eigenen Richtlinien folgen. Alle unter Schutz stehenden Flächen sind im Wiener Stadtplan eingezeichnet. Das Sammeln von Wildpflanzen auf Naturschutzflächen ist in manchen Fällen gestattet (z.B. in den Pflege- und Entwicklungszonen des Biosphärenparks), andernorts aber streng untersagt (z.B. im Nationalpark Donauauen).

Informieren Sie sich daher vor einem Sammel-Ausflug in jedem Fall im Vorfeld über das Gebiet, das Sie im Auge haben. Die Website der Stadt Wien bietet Informationen über sämtliche Schutzgebiete. Nachdem Sie herausgefunden haben, ob die Fläche unter Schutz steht, machen Sie sich mit den dort geltenden Auflagen vertraut.

Eine gezielte Suche nach den Verhaltensregeln des jeweiligen Naturschutz-Gebietes liefert meist konkrete Informationen. Exemplarisch seinen hier die Sammelregeln für den Biosphärenpark Wienerwald (Link zur PDF-Broschüre, Seite 17) und die Regeln des Nationalpark Donauauen (unter dem Punkt „Entnahme von Naturmaterialien“) erwähnt.

Beachten Sie außerdem vor Ort angebrachte Hinweise!

Hilfe bei weiteren Fragen zum Natur- und Artenschutz

Sollten Sie sich unsicher sein, ob das Sammeln auf einer Fläche erlaubt ist, können Sie sich mit Ihrer Frage an die Stadt Wien oder an die Umweltberatung wenden.

Wie viel Material darf gesammelt werden?

Schwammerl-Sammeln? Ja, aber nur in der erlaubten Menge. Bild: pxfuel

Während für das Sammeln von Beeren und Pilzen eine Obergrenze von 2 kg pro Tag und Person gilt, sind die Regeln für andere Wildkräuter und Pflanzenteile (Blätter, Samen, Sprosse etc.) nicht ganz so eindeutig.

Kurz zusammengefasst ist zu beachten:

  • Pro Person und Tag dürfen Pilze und Früchte wie Beeren im Umfang von 2kg gesammelt werden (Forstgesetz 2016, §174 (3)).
  • Für Wildpflanzen und deren Pflanzenteile (Blätter, Blüten, Sprosse, Wurzeln, Samen) gilt, dass von Privatpersonen jene Menge gesammelt werden darf, die dem Eigenbedarf angemessen ist (Wiener Naturschutzverordnung 2019, §2).
  • Zu beachten ist, dass das Sammeln von größeren Mengen – die den Eigenbedarf übersteigen – unbedingt eine Bewilligung der Grundbesitzer (z.B. Waldeigentümer) eingeholt werden muss. Für Sammlungen im öffentlichen Raum ist diese Bewilligung bei der Stadt Wien | Umweltschutz zu beantragen
  • Ebenso benötigt man eine Bewilligung für das Sammeln im Rahmen von organisierten Veranstaltungen. Auch wenn die Sammlung zu kommerziellen Zwecken erfolgt, muss zuvor die Bewilligung der Grundeigentümer bzw. der Stadt Wien eingeholt werden (Wiener Naturschutzgesetz 2019, §14).
  • Streng geschützte Arten dürfen unter keinen Umständen gesammelt werden und auch für geschützte Arten gelten strikte Sammel-Beschränkungen (Wiener Naturschutzverordnung 2019, §10). Wenn Unsicherheit darüber besteht, ob eine Art geschützt ist, so sollte man die Pflanze jedenfalls besser stehen lassen.

Die wichtigsten Regeln zum Sammeln finden sich auch bündig zusammengefasst auf österreich.gv.at.


Die essbare Stadt – unsere Top 3

Wer Lust auf frische Farben und intensive Aromen am Teller hat, muss oftmals nicht lange suchen, denn viele Köstlichkeiten verstecken sich in direkter Nachbarschaft. Schon eine kleine Böschung, ein verwilderter Wegesrand oder eine Baumscheibe können den Speisezettel bereichern. Das Sammeln wird mit Geschmacks-Erlebnissen belohnt, die man nirgendwo kaufen kann.
Natürlich müssen Pflanzen, die am Teller landen, zuvor eindeutig identifiziert werden. Im Abschnitt „Das Sammel-Einmaleins“ sind diesbezüglich wichtige Informationen zusammengefasst. Doch viele Gewächse können selbst von EinsteigerInnen sicher bestimmt werden.

Nachfolgend geben wir unsere Top 3 der essbaren Wildpflanzen in Wien preis. Alle Pflanzen in dieser Liste …

  • Sind seicht und eindeutig zu bestimmen
  • Stehen nicht unter Artenschutz und sind in Wien zahlreich vertreten
  • Schmecken toll und sind einfach zu verarbeiten

Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata L.)

Der Spitzwegerich ist gerade auf städtischen Wiesen ein oft gesehener Zeitgenosse. Er wird als „Wiesenpflaster“ bezeichnet, weil seine Inhaltsstoffe bei Wunden und Insektenstichen entzündungshemmend, abschwellend und reizlindernd wirken [7]. Seine Blütenknospen, Samen und junge Blätter geben noch dazu eine vielseitige Grundlage für köstliche Gerichte ab. Die Samen des Spitz-Wegerichs ähneln übrigens stark den ballaststoffreichen „Flohsamen“, die aus der eng verwandten Art Plantago ovata gewonnen werden.

Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata L.). Bild: Javier Martin / CC

Standort: Den Spitzwegerich findet man auf fast jeder Wiese, insbesondere auf öfter gemähten und kärgeren Stellen [7].

Inhaltsstoffe und Heilwirkungen: Reichlich Kieselsäure (Silicium), Zink, Kalium, Vitamin C und B sowie Flavonoide und Glykoside. Die enthaltenen Schleimstoffe und Saponine machen ihn zu einem wirksamen Helfer bei Entzündungen im Rachen, Hals und Magen [7].

Tipps zur Verwendung: Da die Blätter langfaserig sind, sammelt man am Besten die jungen, zarten Blätter aus der Mitte der Blattrosette, und schneidet sie quer zur Längs-Faserung [7].
Wegen des milden Geschmacks machen sich junge Spitzwegerich-Blätter fein gewiegelt gut in Salaten, in etwas Öl gebraten als Brotbelag, oder gedünstet als Gemüse-Beigabe, in Saucen und als Füllungen für Teigtaschen oder Quiche.
Die Blütenknospen sind eine in ihrem Geschmack an Champignons erinnernde Delikatesse. Die Samen enthalten selbst ein nussig schmeckendes Öl, sie eignen sich als köstliche Salatzugabe, als Ergänzung zum Mehl in diversen Teigen oder gemörsert als würzige Garnitur für viele Speisen.

Lieblings-Rezept: Wegerich-Kapern

Die Knospen, Blüten und Samenstände des Spitz-Wegerichs lassen sich wie Kapern einlegen – eine herb-würzige Delikatesse, die sehr einfach herzustellen ist. Das funktioniert übrigens auch mit seinen engen heimischen Verwandten, dem Breit-Wegerich (Plantago major) und mittleren Wegerich (Plantago media) [7])

Blütenköpfchen des Spitz-Wegerichs. Bild: Gerhard Romero / CC / Pixabay

Zutaten für 1 Glas (400 ml):

  • 1 große handvoll Blütenknospen, Blütenköpfchen oder ausgereifte Samenstände vom Wegerich
  • 100 ml Essig, z.B. Weißwein- oder Apfelessig
  • 200 ml Wasser
  • 1 EL Meersalz, optional weitere Gewürze wie Pfeffer und Lorbeerblatt

Zubereitung:

  1. Das Einmachglas und den Deckel gründlich säubern und anschließend für 10 min in heißem Wasserdampf entkeimen oder mit Alkohol ausreiben. An der Luft trocknen lassen.
  2. Das Wasser, den Essig und das Salz gemeinsam in einem kleinen Topf aufkochen.
  3. Die Spitz-Wegerich-Knospen und weitere Gewürze nach Geschmack mit einem Löffel in das saubere Glas geben.
  4. Die Knospen mit dem heißen Essig-Wasser übergießen und das Glas sogleich gut verschließen.
  5. An einem dunklen Ort mindestens 1 Woche durchziehen lassen.

Wegerich-Kapern sind ein aromatisches Topping für Pasta und Eierspeisen, sie ergänzen Saucen und Salate und sind der Star auf simplen Butterbroten. Guten Appetit!


Große Brennessel (Urtica dioica L.)

Sogar blind zu erkennen, und daher oft gefürchtet ist die Brennnessel. Unbedacht berührt verursachen ihre feinen Brennhaare stechend schmerzhafte Pusteln auf der Haut. Beim Sammeln der Pflanzenteile sollte man deswegen auf jeden Fall feste Handschuhe, sowie lange Ärmel- und Hosenbeine tragen. Trotz ihrer wehrhaften Erscheinung ist die Brennnessel aber eine hervorragend nahrhafte, wohlschmeckende und ergiebige Wildpflanze.

Große Brennessel mit weiblichen Blüten. Bild: Foto-Rabe / pixabay

Standort: Sie liebt nährstoffreiche Böden und ist oft um Umkreis von Siedlungen, an Wald- und Auenrändern zu finden [7].

Inhaltsstoffe und Heilwirkungen: Alle Pflanzenteile sind reich an Magnesium, Kalium, Eisen und Silicium, sowie an den Vitaminen A, C und E. Zudem enthalten sowohl Blätter als auch Samen Proteine (Eiweiß) mit essentiellen Aminosäuren. Die Samen enthalten außerdem ca. 30 % Öl, vor allem Omega-6-Fettsäuren [7].
Brennessel senkt den Blutzuckerspiegel, wirkt entzündungshemmend und leicht harntreibend. Die enthaltenen Enzyme und Phytohormone beugen Prostatabeschwerden und Krebs vor [7].

Tipps zur Verwendung: Das an Spinat erinnernde Aroma der jungen, frischgrünen Blätter und jungen Stängel macht die Brennessel zu einem vielseitigen Wildgemüse. Um die Brennhaare der Pflanze unschädlich zu machen, kann man die gesammelten Teile in ein Tuch wickeln und kurz kneten oder mit einem Nudelholz flachrollen; auch kurzes Blanchieren, oder fein schneiden bricht die Brennhaare ab [7]. Ebenso wirkt Trocknen oder Einfrieren.
Die Blätter und Triebe können gedünstet oder geröstet werden; sie machen sich gut als Beigabe zu Eierspeisen, Aufstrichen und Eintöpfen; als Füllung von Strudeln und Aufläufen; als Pesto oder getrocknet zum Kräutersalz [7].
Die Samen schmecken nussig und würzig, und sind eine nahrhafte Ergänzung in Müslis, Salaten oder Bratlingen [7].

Lieblings-Rezept: Brennnessel-Suppe

Zutaten (für 2 Portionen):

Grün, frisch, lecker! Bild: pikist
  • 3 große oder 4 mittlere Erdäpfel
  • 1 mittlere Zwiebel oder ein Stück Lauch
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 1 Liter Gemüsesuppe
  • 1 EL Speisöl
  • Gewürze nach Wahl, z.B. Pfeffer, Kümmel, Muskat, Piment.

Zubereitung:

  1. Knoblauch und Zwiebel schälen bzw. den Lauch putzen und fein hacken.
  2. Die Erdäpfel putzen und klein würfeln.
  3. Das Öl erhitzen, und zunächst die Zwiebel anbraten bis sie glasig sind. Auch grobkörnige Gewürze (z.B. Kümmel, Pfeffer, Chili) können hier mitgebraten werden. Dann den Knoblauch und die Kartoffeln hinzufügen. Sobald alles Farbe angenommen hat, mit der Gemüsesuppe ablöschen.
  4. Solange köcheln lassen, bis die Kartoffeln durchgekocht sind (ca. 10-15 Minuten).
  5. Währenddessen die Brennnessel-Blätter im Geschirrtuch kneten, um die Brennhaare zu brechen, dann fein schneiden und gegen Ende der Garzeit zur Suppe geben und einige Minuten lang mitköcheln.
  6. Die Suppe mit einem Pürierstab in Cremesuppe sehr fein pürieren, und optional durch ein Sieb streichen.
  7. Mit Salz, Pfeffer und Gewürzen nach Wahl abschmecken.
  8. Zum Garnieren eignen sich ein Esslöffel Sauerraum und frische Kräuter.

Kriecherl (Prunus domestica subsp. Insititia)

Der lateinische Name Prunus domestica verrät es: Das Kriecherl ist eine „gezähmte“ Steinfrucht-Art. Man vermutet, dass sie vor rund 6000 Jahren in Niederösterreich aus der Schlehe entstanden ist [8]. Heute ist das Kriecherl aber auch verwildert anzutreffen, besonders in Siedlungsnähe. Die Früchte können zwetschkenblau, rosarot wie Pfirsiche, orange wie Marillen oder gelb wie Mirabellen gefärbt sein [9]. Und so ähnlich schmecken sie auch: säuerlich erfrischend, unglaublich saftig und im reifen Zustand sehr süß.

So rot können Kriecherl am Baum leuchten. Bild: Innviertlerin / pixabay

Standort: Das Kriecherl gedeiht gut an sonnigen und trockenen Standorten und in Auwäldern [7]. In Wien ist der Baum gehäuft u.a. entlang des Wienflusses zwischen Hütteldorf und Hietzing, am Küniglberg, entlang der alten Donau sowie auf der Donauinsel anzutreffen.

Inhaltsstoffe: Die Früchte enthalten Vitamin C, Zucker, Fruchtsäuren, Anthocyane und Flavonoide [7].

Tipps zur Verwendung: Warum diese süße Frucht (noch) nicht in aller Munde ist? Vielleicht liegt es daran, dass sich ihr Kern nur sehr schwer vom Fruchtfleisch löst; und das Entsteinen deswegen frustrierend bis unmöglich ist. Allerdings kann diese Hürde leicht umgangen werden: Entweder man nascht die Frucht gleich frisch. Oder, im Fall der Haltbarmachung, kocht man die Früchte auf, und streicht das Fruchtmus anschließend durch ein grobes Sieb oder durch die flotte Lotte. Das Kriecherl-Mus kann anschließend als Sirup oder Marmelade eingekocht, zu Fruchtleder verarbeitet oder zum Schnaps gebrannt werden. Experimentierfreudigen sei empfohlen, die Früchte in Salzlake zu fermentieren – Geschmacksexplosion garantiert.

Lieblings-Rezept: Kriecherl-Sirup

In den Kriecherl-Sirup können auch einige ganze Früchte eingelegt werden. Bild: pxfuel

Zutaten (für 1 Liter Sirup):

  • 400 g Kriecherl
  • 200 ml Wasser
  • Etwa 400 g Kristallzucker
  • Sonstiges: Saubere Flaschen oder Schraubgläser, jeweils ein grobes Sieb und ein feines Sieb (oder falls vorhanden eine Flotte Lotte), Küchenwaage, Trichter.

Zubereitung:

  1. Ausreichend Flaschen (idealerweise mit luftdichtem Bügel-Verschluss) säubern, und in heißem Wasserdampf ca. 10 min lang sterilisieren. An der Luft abkühlen und trocknen lassen.
  2. Die Kriecherl waschen und im ganzen, ungeschälten Zustand mit dem Wasser in einem Topf geben
  3. Vorsichtig erwärmen und immer wieder umrühren, bis die Masse leicht köchelt. Beim Erhitzen platzt die Fruchthaut auf und das Fruchtmus tritt aus. Achtung, die heiße Masse beginnt zu spritzen, wenn sie zu heiß wird
  4. Etwa 5-10 min, bzw. solange köcheln, bis keine ganzen Früchte mehr vorhanden sind und die Masse gleichmäßig breiig ist.
  5. Die Masse nun nach und nach durch ein grobes Sieb, z.B. ein Nudelsieb streichen. Ein Koch- oder Schöpflöffel hilft beim Hindurchstreichen.
  6. Nun die Masse nochmals durch ein feines Sieb in einen sauberen Topf laufen lassen, sodass langfaserige Teile zurückbleiben. Idealerweise wiegt man dabei die Masse gleich ab, indem man den leeren Topf zunächst auf eine Waage stellt und tariert.
  7. Nun kommt so viel Zucker hinzu, wie die Fruchtmasse selbst wiegt, also 1:1. Beides gut vermengen und nochmals aufkochen.
  8. Den heißen Sirup in die Flaschen abfüllen und sofort verschließen.

Aus dem Sirup entsteht mit Mineralwasser und frischen Blättern von Minze, Melisse oder Basilikum im Handumdrehen eine raffinierte Sommer-Erfrischung. Sollte der Sirup bis zur kalten Jahreszeit nicht längst aufgebraucht sein, kann man ihn auch winterlich mit Zimtrinde, Nelken und Orangenschale, oder mit aufgebrühtem Früchtetee als Heißgetränk servieren.


Weiterführende Links

Weitere Unterstützung beim Eintauchen in die Welt der Wildpflanzen in Wien ist hier zu finden:

Alles rund um Wildobst:

Geführte Wanderungen und Kurse zu Wildpflanzen finden immer wieder bei folgenden Anbietern statt:


Quellenverzeichnis

  • [1] R. J. McLain, P. T. Hurley, M. R. Emery, und M. R. Poe, „Gathering “wild” food in the city: rethinking the role of foraging in urban ecosystem planning and management“, Local Environ., Bd. 19, Nr. 2, S. 220–240, Feb. 2014.
  • [2] A. Hajzeri und V. O. Kwadwo, „Investigating integration of edible plants in urban open spaces: Evaluation of policy challenges and successes of implementation“, Land use policy, Bd. 84, Nr. March, S. 43–48, 2019.
  • [3] C. G. Threlfall und D. Kendal, „The distinct ecological and social roles that wild spaces play in urban ecosystems“, Urban For. Urban Green., Bd. 29, Nr. May 2017, S. 348–356, 2018.
  • [4] UN, „Sustainable Development Goals“, United Nations Sustainable Development, 2019. [Online]. Verfügbar unter: https://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/. [Zugegriffen: 01-Dez-2019].
  • [5] M. Jenkins, A. Timoshyna, und M. Cornthwaite, „Wild at home: exploring the global harvest, trade and use of wild plant ingredients“, TRAFFIC International, Cambridge, 2018.
  • [6] C. Schunko, S. Lechthaler, und C. R. Vogl, „Conceptualising the factors that influence the commercialisation of non-timber forest products: The case of wild plant gathering by organic herb farmers in South Tyrol (Italy)“, Sustain., Bd. 11, Nr. 7, 2019.
  • [7] S. G. Fleischhauer, J. Guthmann, und R. Spiegelberger, Essbare Wildpflanzen. Baden und München: AT Verlag, 2007.
  • [8] AMA Genuss-Region, „Waldviertler Kriecherl“, genussregionen.at. [Online]. Verfügbar unter: https://www.genussregionen.at/niederoesterreich/waldviertler-kriecherl/. [Zugegriffen: 18-Juni-2020].
  • [9] M. Spohn, M. Golte-Bechtle, und R. Spohn, Was blüht denn da?, 59. Auflag. Stuttgart: Franckh-Kosmos, 2015.