Wirtschaftsboom am Land – Bioökonomie macht’s möglich?

Klima/Umwelt/Ressourcen Regionale Entwicklung Wirtschaft

Ressourcenknappheit, Klimawandel, Corona-Pandemie – unsere Gesellschaft steht vor zahlreichen Herausforderungen. Am 22.04.2020 diskutierten ExpertInnen aus unterschiedlichen Bereichen mit über 90 TeilnehmerInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft über Bioökonomie als möglichen Hebel hin zu einer zukunftsfähigen und regionalen Wirtschaft. Das Webinar fand im Rahmen unseres von der Europäischen Kommission finanzierten Horizon-2020-Bioökonomieprojekts „BLOOM“ statt.

Das gesamte Webinar können Sie hier (Pfeil links unten) und auf YouTube nachsehen:



Von Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen über kompostierbaren Kunststoff bis zur Kleidung aus Holz: Die Produktpalette aus dem Innovationsbaukasten der Bioökonomie reicht weiter als das Auge reicht. Zudem bietet dieser Wirtschaftszweig bereits heute mehr als 18 Millionen Menschen in Europa einen Arbeitsplatz.

Kernaussagen:

Bioökonomie ist ein wichtiges Tool für die Umsetzung des Konzepts der Ökosozialen Marktwirtschaft in die Realwirtschaft:
Sie schafft Arbeitsplätze, kurbelt die Wirtschaft nachhaltig an und schützt dabei die Umwelt.

Hans Mayrhofer, Generalsekretär Ökosoziales Forum Österreich & Europa


Die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Bioökonomie bedeutet, dass neben technischem Know-how die Einbindung der Umwelt- und Sozialwissenschaften eine sehr wichtige Rolle spielt. Das ist auch in der österreichischen Bioökonomiestrategie so ersichtlich.
Jetzt braucht es den geplanten Aktionsplan.

Martin Greimel, Leiter des Zentrums für Bioökonomie an der Universität für Bodenkultur, Wien


Es muss auch in der Zukunft Interessant sein in ländlichen Regionen zu leben. Wenn ich dort leben möchte dann muss ich auch wirtschaften können, aber in einem Kontext der sowohl Klima- und Umweltansprüchen, aber auch ökonomischen Anforderungen entspricht.

Bioökonomie bedeutet eindeutig Föderalismus. Das hat uns auch die Corona-Krise gezeigt. Denn nur im gelebten Föderalismus ist es möglich Krisensituationen zu überleben und gleichzeitig Antworten für die Zukunft geben zu können.

Max Hiegelsberger, Agrar-Landesrat von Oberösterreich


Wir sind mit einem jährlichen Volumen von 5 Mio. Tonnen der größte Verarbeiter landwirtschaftlicher Rohstoffe in Österreich. Die Bioraffinerie Pischelsdorf ist ein gutes Beispiel für einen bioökonomische Kreislauf. Hier werden Rohmaterialien wie Weizen oder Mais zu  einem sehr breiten und essentiellen Produktspektrum verarbeitet und damit maximale Wertschöpfung generiert.

Die verarbeiteten Rohstoffe werden nahezu zu 100% verwertet. Der ganze Bogen der Produktpalette erstreckt sich von technischen Stärken und Stärken für die Lebensmittelindustrie über Treibstoff, Futter- sowie Düngemittel, bis hin zu Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen.

Herbert Hlawati, Bereichsleiter Rohstoffbeschaffung der AGRANA Beteiligungs-AG


In Österreich sind rund 190.000 Beschäftigte im Bereich der Bioökonomie tätig und es findet ca. 13 Milliarden Euro umweltbezogene Wertschöpfung statt. Es braucht mehr Daten und Fakten mit regionalem Fokus.
Die Sammlung jener Daten ist ein wichtiges Feld für die Zukunft.

Das Thema Bioökonomie ist jedenfalls in der oberösterreichischen Wirtschaft angekommen. So gibt es beispielsweise den Cleantech-Cluster, der verschiedene Wertschöpfungsketten innerhalb der Bioökonomie im Alpenraum vernetzt.

Tanja Spennlingwimmer, Leitung Investoren- und StandortManagement, Business Upper Austria


Unsere Schule ist eine Bioökonomie-Projektschule. Es fand beispielsweise ein Projekt zur thermischen Isolierung mit biobasiertem Baumaterial statt. Dieses Projekt umfasste drei Unterrichtseinheiten. Die Tätigkeiten reichten von praktischen Versuchen bis hin zu mathematischen Auswertungen.

Durch diese praktische und interaktive Methode wurden Bioökonomie und Nachhaltigkeit wichtige Begriffe im Schulalltag.

Havvanur Tuz, Schülerin der BHAK & BHAS Wien 10, BLOOM Projektschule


Diskussion

Im Rahmen der Publikumsdiskussion wurde die internationale Gleichbehandlung der Märkte im Sinne der Kostenwahrheit diskutiert. Das kann beispielsweise durch einen Klimazoll an den EU-Außengrenzen geschehen. Zudem wurde betont, dass die Umsetzung der Bioökonomie in den Regionen soziale und ökologische Aspekt beinhalten muss. Im Speziellen wurde auch die Sicherstellung der Bodenfruchtbarkeit als wichtiges Kriterium für eine nachhaltige Bioökonomie genannt. Eine Balance der Nutzungsformen vermeidet rivalisierende Flächennutzung. In Bezug auf Energieproduktion wurde die Bedeutung von Innovation, die Nutzung von Pflanzenreststoffen – wie Maisstroh – sowie die kaskadische Nutzung genannt. In Bezug auf die Rolle von Regionen und Föderalismus wurde die hohe Bedeutung regionaler Kooperation sowie das Beispiel der Europäischen Bioökonomieregionen – in denen auch Oberösterreich gelistet ist – genannt.



Download

Foliensätze, sowie weitere Informationen die von den Expertinnen bereitgestellt wurden finden Sie hier:

Martin Greimel: Zentrum für Bioökonomie an der Universität für Bodenkultur Wien

Max Hiegelsberger: Agrar-Landesrat von Oberösterreich, Informationen auf der Homepage

Herbert Hlawati: Bereichsleiter Rohstoffbeschaffung der AGRANA Beteiligungs-AG, Vortragsunterlagen

Tanja Spennlingwimmer: Leitung Investoren- & Standortmanagement, Business Upper Austria

Havvanur Tuz: Schülerin der BHAK & BHAS Wien 10, Informationen zur BLOOM-Projektschule

Gottfried Mayer: Vortragsunterlagen zum Bioökonomieprojekt BLOOM


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